Kollektivvertrag – Online-Redakteure in die erste Reihe

9. August 2011 at 4:42 pm Hinterlasse einen Kommentar


Onliner fordern die Gleichstellung mit Print-Redakteuren, aber Bestandsverträge verhindern Neuanstellungen

Online-Journalisten werden noch immer als Journalisten zweiter Klasse gesehen, beschreibt Günter Felbermayer, Chef vom Dienst (Online) bei der Presse Digital und einer der Initiatoren der Mediengruppe Online die aktuelle Situation in Sachen KV-Reform. Zwar könne er über den aktuellen Verhandlungsstand nichts sagen, aber „bisher war einer der Knackpunkte, in welcher Form Online-Journalisten und Freie in den KV eingebunden werden sollen“. Hier wurden einige Modelle besprochen: von der Einführung einer Kategorie eines „technischen Redakteurs“ bis zu einer vollkommenen Gleichstellung. Er hoffe jedenfalls, dass die Deklassierung der Online-Journalisten durch eine Integration in den neuen Journalisten-KV aufgehoben wird: „Das ist ganz wichtig für das Selbstverständnis von Online-Redakteuren. Noch wichtiger ist der neue KV für Kollegen, die entweder gar nicht angestellt werden oder mit Phantasie-Verträgen, die absolut nicht dem Marktwert entsprechen.“

Auf welches KV-Modell man sich auch immer einigt, eine Gleichstellung von Online- und Printredakteuren steht für Felbermayer ganz oben auf der Tagesordnung: „Durch die Entwicklungen in der Medienlandschaft in den letzten Jahren spielt es keine Rolle mehr, auf welcher Plattform man seine Geschichten veröffentlicht.“

Vereinfachtes Arbeiten. Optimistisch gibt sich auch Standard.at-Geschäftsführerin Gerlinde Hinterleitner: „Problematisch war und ist, dass es für das junge, sich noch entwickelnde Medium keinen adäquaten KV gibt und gegeben hat. Es gab, auch von Seiten der Gewerkschaft, schon vor Jahren Versuche, einen Medien-KV zu installieren. Das ist leider gescheitert. Ich denke, der jetzige Versuch wird erfolgreicher sein.“ Kurier.at-Geschäftsführer Ronald Schwärzler setzt ebenfalls große Stücke auf ein vereinfachtes Arbeiten mit einem neuen KV: „Kooperatives Arbeiten an Produkten einer Medienmarke ist durch bisher unterschiedliche (kollektiv-) vertragliche Grundlagen nicht immer einfach. Durch einen gemeinsamen Kollektivvertrag erwarte ich mir für das Unternehmen und alle Mitarbeiter noch bessere, durchgängige Möglichkeiten, um für all unsere Medien wirken zu können.“ Insgesamt erwartet sich Schwärzler damit auch in Zukunft die Gewährleistung „hoher journalistischer Qualität“.

Skeptisch bei Reformen. Österreich-Boss Oliver Voigt, nach Eigendefinition „gewohnt optimistisch“, zeigt sich eher skeptisch, was ein rasches Vorankommen von Reformbestrebungen betrifft: „Wenn ich mir ähnliche Vorhaben hierzulande ansehe, bin ich nicht so optimistisch.“ Er glaubt, dass die Online-Kollegen „vorsichtig sein müssen, dass sie mit einem gemeinsamen KV mit den Print-Redakteuren nicht verlieren“. Er bezieht sich dabei auf die „Bestandsgarantieverträge langjähriger Journalisten“: „Diese Altverträge sind der Verhinderungsgrund für Neuanstellung junger Kollegen.“

(Artikel von Erika Hofbauer, erschienen im Medienmanager)

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