Wie Google News-Redaktionen ausbeutet

18. März 2009 at 3:18 pm 2 Kommentare


Moneten statt Beta: Google will mit seiner jahrelang als Beta-Test präsentierten Nachrichtenseite jetzt richtig Geld verdienen. Mit vielen Nachrichtenagenturen hat der Suchmaschinen-Gigant Verträge abgeschlossen, die Verlage gehen leer aus – obwohl Google News ohne die Arbeit von Zeitungs- und Online-Redaktionen unmöglich wäre.

>>Der ganze Artikel auf SPIEGEL ONLINE


Wer sortiert Google News? Die Redaktionen der anderen

Jede einzelne Agentur für sich hätte bislang kaum mit den etablierten Medienhäusern konkurrieren können, was die Vielfalt der Information angeht – was die Tiefe angeht, ohnehin nicht. Mit Google News als all-umarmender Übermutter aber lässt sich aus dem Rohstoff Agenturmeldung eine ganz passable Häppchensammlung zusammenzimmern. Mehr nicht – Analysen, Kommentare, Hintergründe, die Herstellung von Zusammenhängen werden auch weiterhin andere Redaktionen leisten. Doch der Wert der Ware Nachricht, so sie nicht exklusiv ist, sinkt derzeit rapide. Nachrichten werden zur „Commodity“ – zu einem Verbrauchsgut wie Wasser oder Strom, nicht zuletzt dank der Häppchensammlung Google News.

Die wird dann aber doch, und das ist aus der Sicht von Nachrichtenredaktionen das perfide, mit Hilfe der Redaktionen zusammengestellt und sortiert: Denn die Gewichtung und Reihung der bei Google News angezeigten Nachrichten wird durch einen Algorithmus erledigt, der auf der Auswertung großer Nachrichtenseiten basiert. Was bei vielen ganz oben steht, was bei den Wichtigen oben steht, muss wohl wichtig sein, und landet deshalb auch bei Google News am Seitenanfang. Was, das nur nebenbei, auch dazu führt, dass das wirklich Exklusive, das wirklich Originelle bei Google News kaum eine Chance hat.

Die Agenturen, die das Rohmaterial für die maschinengenerierte Nachrichtenseite liefern, werden nun also entlohnt, über Verträge mit den Suchmaschinisten. Die Redaktionen aber, die aus dem Rohmaterial Nachrichtenangebote machen, die sichten, sortieren, gewichten und einordnen, liefern ihre Arbeitsleistung unfreiwillig und kostenlos ab – redaktionelles Crowdsourcing könnte man das nennen. Sie instruieren den Algorithmus, der ihnen Leser und Anzeigenerlöse stehlen soll, und können sich nicht dagegen wehren.

Doch ohne sie wäre Google News für den Endverbraucher ebenso nutzlos wie das tägliche Chaos eines Agenturtickers.

In welche Richtung wird sich das sogenannte redaktionelle Crowdsourcing entwickeln? Im Endeffekt sind durch die Einbindung von Agenturen in Google News auch Arbeitsplätze in Online-Redaktionen gefährdet, wenn Google News nun Geld verdienen will. Und damit kleine Online-Redaktionen bedrohen könnte. Oder führt das in die andere Richtung? Mehr Eigenproduktionen statt Agenturmaterial…

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Seminar: Slideshows als journalistische Form Die schwedischen Klickhuren

2 Kommentare Add your own

  • 1. Alexis  |  18. März 2009 um 4:07 pm

    Sehe ich auch so, ganz erschließt sich aber nicht der Sinn dieses Deals, der scheinbar ohne Menschen mit journalistischer Erfahrung abgeschlossen wurde. Wollen die Agenturen jetzt Online direkt die Leser füttern – ohne ihren eigentlichen Kunden, den Medien? So graben sie sich selbst das Wasser ab. Dran bleiben, das Thema ist enorm wichtig!

    Antwort
  • 2. Andreas Habicher  |  22. März 2009 um 9:40 pm

    Im Grundsatz ist die Idee ja nicht falsch: Die ursprüngliche Quelle nennen. Ist der Ursprung die Agentur, dann mag sie ihre Namensnennung haben. Man könnte eine Stärkung von Eigencontent aus der Google-Politik lesen. Naiv?

    Antwort

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