Senf zum 4. Medientreffen

3. Dezember 2007 at 8:50 am 1 Kommentar


Von Lukas Wieselberg (science.orf.at)

Am meisten positiv überrascht war ich über das Funktionieren der gemeinsamen großen Diskussionsrunde. Die wir so ja gar nicht angestrebt haben, weil das Vorhaben doch ein wenig zu viel an Pädagogik versprochen hatte. Hat aber funktioniert.

Daraus schließe ich zumindest zwei Dinge: erstens das Bedürfnis, sich auch öffentlich auszutauschen, zweitens dabei vor allem auf die individuellen Leidensgeschichten zu verweisen. Durch diesen Ausgang von der eigenen Betroffenheit und dem Vergleich mit ähnlichen Betroffenheiten anderer kann sich im besten Fall so etwas wie ein Bewusstsein von der Struktur der Situation einstellen. Und das wiederum wäre die Basis für die Bereitschaft, auch gemeinsam etwas dagegen zu unternehmen. Deswegen fand ich die Diskussion der großen Runde, die aneinander Interesse hatte, so positiv.

Was mir dabei, aber auch in Einzelgesprächen aufgefallen ist: Selbst Menschen, die schon weiter oben in der (wie wir wissen flachen) Hierarchie der Online-Bereiche sind, verstehen das Journalistische ihrer Arbeit in erster Linie im Auswählen von Agentur-Meldungen, geile Headlines fabrizieren und über allem thronend die Geschwindigkeit.

Lesen Sie mehr!

Nun sind dies tatsächlich wichtige Bestandteile des Journalismus, die kein Offliner belächeln und als Copy-und-Paste-Handwerk diffamieren soll (weil sie das selber auch machen, nur langsamer). Es ist aber ebenso tatsächlich nicht das einzige.

Und schon beim Thema „Rausgehen“ bzw. „eigene Geschichten produzieren“ (gleichgültig aus welcher On- oder Offline-Quelle) gab es bei einigen KollegInnen heftiges Stirnrunzeln oder Schulterzucken. Was immer bedeutet, dass „man keine Zeit dazu hat“ und „unterbesetzt ist“, aber immer auch, dass die Idee dazu nicht wirklich am Horizont des eigenen Denkens aufgetaucht ist. Sollte es aber, und vielleicht kann unsere Gruppe tatsächlich dazu auch ein Anstoß sein.

In diesem Sinne fände ich es auch gut, eine Qualitätsdebatte zu führen. Allerdings nicht selbstanklagend einzig auf die Onliner bezogen, sondern auf den Journalismus im Allgemeinen. Ich persönlich verstehe mich auch als (Wissenschafts)Journalist und nicht als Online-Journalist (was vielleicht im Widerspruch steht zu einigem, was ich euch bisher erzählt habe, ist aber so), als Journalist, der hauptsächlich im Bereich Online arbeitet.

Jetzt bin ich abgeschweift, was mir noch aufgefallen ist: Knapp 30-Jährige, die sich bereits über die nächste Generation an knapp über 20-Jährigen wundern, die quasi noch willenloser, „weil geil auf den Job“ alles machen, was ihnen irgendwelche Chefs vorgeben; damit verbunden die vorhandene Einsicht, dass das eigene Altern Dinge verändert (Kinder, Familiengründung etc. sind gute Argumente für ein entsprechendes Gehalt); aus den Beschreibungen zum Teil ein wirklich groteskes Unwissen der Stammmedien, was ihre Online-Töchter eigentlich so genau machen oder wollen.

Aus all diesen Gründen glaube ich, dass unsere Gruppe eigentlich eine ganz gute Chance hat, etwas auf die Reihe zu kriegen – wobei wir uns jetzt überlegen sollten, was wir als nächstes tun.

Advertisements

Entry filed under: Anspruch, Treffen. Tags: , , , , .

Totenschiff Online-Redaktion Noch mehr Senf zum 4. Medientreffen

1 Kommentar Add your own

  • 1. Gabi Greiner  |  3. Dezember 2007 um 11:13 am

    Darüber bin ich heute erste gestolpert. Ich habe von vielen Kollegen beim Medientreffen gehört, dass sie dem Werbe-KV unterliegen. Ich weiß nicht, ob sie das dann nicht auch betrifft:

    ++++Gestern wurden die Verhandlungen für die etwa 6.000 Angestellten der Werbung und Marktkommunikation Wien abgeschlossen. Mit 1. Jänner 2008 werden die Mindestgehälter um 3 Prozent erhöht, ebenso die Lehrlingsentschädigung und die Sondervergütung von Nachtarbeit.++++

    Wir haben viel über Holschuld gesprochen – also dass wir selbst dafür verantwortlich sind, dass zumindest unsere Kollektivverträge (so schleißig sie auch sind), eingehalten werden. Ich würde daher unbedingt abklären, dass diese Gehaltserhöhung nicht auch am Konto landet.

    Liebe Grüße – eine IT-Kollektivvertraglerin 😉

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Unsere Besucher

  • 21,284 Visits

Feeds

Dezember 2007
M D M D F S S
« Nov   Jan »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

%d Bloggern gefällt das: