Was sich seit 1999 (nicht) verändert hat

16. November 2007 at 5:45 pm 1 Kommentar


Hab grad ein Interview aus dem Jahr 1999 (!!!) aufgestöbert.

Nachlesen und nachdenken, was sich verändert hat oder noch immer nicht hat:

Quelle und ganzes Interview:http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/

Interview-Statements von Gernot Kramper
(ltd. Redakteur von Stern.de)

ZU UNTERSCHIEDEN IN DER ARBEIT FÜR PRINT UND ONLINE

„Es ist eine Sache, einen Text ins Netz zu stellen und eine Linkliste darunter zu setzen. Will man aber ein Thema web-spezifisch bearbeiten, ist das unter Umständen gar nicht so einfach. Da fragt man sich schon: Lohnt sich das? Oder ist das Thema vielleicht in 14 Tagen schon wieder passé?“

„Fürs Netz schreiben unterscheidet sich schon mal in der Länge. Das Internet bietet sich für kürzere Formen wie Kolumnen, Glossen, Meinungen an. Dafür hat man andere Möglichkeiten, Informationen aufzubauen. Doch man muss auf die bildschirmfreundliche Aufarbeitung achten.“

„HTML-Kenntnisse sind für den Redakteur dienlich, vor allem braucht man die Befehle, die sich auf Text beziehen. Und die sind ja ehrlich gesagt ziemlich überschaubar. Der Rest von dem, was im Quellcode so kompliziert aussieht, wird vom Produktionssystem abgefahren.“

„Mit graphischen Dingen wird in Zukunft sicher viel mehr gemacht werden und dann wird es im Zuge der Professionalisierung auch dazu kommen, dass dafür nicht jedesmal ein Grafiker gerufen wird.“

„Innerhalb der Branche gibt es öfters Wechsel von Print zum Internet und umgekehrt.“

„Natürlich haben Print-Redaktionen wie die von Stern, Spiegel oder Zeit in 40 und mehr Jahren ein solches Renommee aufgebaut, das können entsprechende Online-Redaktionen in vielleicht zwei Jahren gar nicht leisten. Dafür haben sie andere Werte, dass sie z.B. dynamischer sind. Aber das kann man auch gar nicht so vergleichen, sondern es ist eher vergleichbar mit dem, der davon träumt Fernsehmoderator zu sein und beim Radio sitzt.“

„Den expliziten Online-Journalist gibt’s schon. Das mag zwar noch ein etwas ungefestigtes Berufsbild sein. Aber es gelten doch in den einzelnen Bereichen unterschiedliche Spielregeln.“


VERHÄLTNIS GEDRUCKTER STERN ZU STERN-ONLINE

„Bisher verfolgen wir ein Channel-Konzept, sehr breit angelegt. Ziel der Neukonzipierung soll sein, das eigene Kernangebot stärker zu schärfen, stärker auch auf die Marke „Stern“ zu schärfen. Zum Stern gibt es ja diese Blumenstrauß-Metapher. Meine Vorstellung ist, dass man beim Anblick unserer Seiten auch eine Identifikation mit der Gesamtmarke Stern bekommt.“

„In der Tagesarbeit steht natürlich nicht die Chefredaktion hier im Flur und schaut, was die Leutchen hier machen.“

„Wir haben eine enge Beziehung zum Mutterblatt, aber wir sind nicht identisch damit und auch nicht der Wurmfortsatz.“

Online-Übernahme von Beiträgen aus dem gedruckten Stern in der Rubrik „Das Magazin“: „Die Auswahl trifft die Print-Redaktion, das ist vor allem eine Frage der Ressourcen. Denn: Ressourcenfragen führen oft zu größeren Konsequenzen als irgendwelche Glaubensfragen.“

Koordination zwischen Print und Online: „In der Online-Redaktion arbeiten zwei Personen, die aus der Print-Redaktion stammen. Das ist also nicht nur eine formale Zuordnung, sondern auch eine informelle und das ist ja fast wichtiger. Bei der großen Heft-Konferenz sitzt auch jemand von der Online-Redaktion dabei.“

Internet-Themen in der Print-Ausgabe werden nicht von der Online-Redaktion betreut: „Ein großes Blatt wie der Stern hat da ganz andere Möglichkeiten, sich Sachverstand zuzukaufen. Beispiel: Intelligente Roboter: Die haben die Möglichkeit, weltweit Leute zu finden, die an der Entwicklung vorne dran stehen, und die gegebenenfalls zu interviewen. Da wäre es vermessen zu sagen: Da gibt es aber hier im Hause Leute, die haben sich damit schon mal beschäftigt.“

„Auch wenn Internetaktivitäten von journalistischen Auftritten Zuschussgeschäfte sind, ist der finanzielle Aderlass im Vergleich zu Versuchen von Verlagen sich im Privat-Fernsehbereich zu behaupten, geringfügig.“

ZUM INHALT VON STERN-ONLINE

Nutzwertangebote: „Durch datenbankbasierte Anwendungen kann man grundsätzlich anders arbeiten als im Print – da braucht man nur die Liste der 100 besten Monitore zu nehmen: das wird schnell unübersichtlich.“

„Man kann das Bild seines Angebotes nicht durch Nutzwertangebote schärfen. Man wird nicht sagen können: Wir sind ein Superangebot, weil wir einen Routenplaner haben; trotzdem muss man sie als Special-Interest-Angebot drin haben.“

„Die Frage nach der Abgrenzung von Mitkonkurrenten sollte man sinnvollerweise nicht stellen dürfen. In unserem Fall sind es Seiten im Netz, die erfolgreich sind und einen journalistischen Content bieten. Die Site von Stern-Online wird sich sicherlich auch durch den journalistischen Content definieren, na, besser: über journalistische Beiträge; content hört sich schon so an nach wie aus der Wurstpumpe.“

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Entry filed under: Medien.

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1 Kommentar Add your own

  • 1. nadjaigler  |  18. November 2007 um 8:03 pm

    nach wie vor gültig:
    „Ressourcenfragen führen oft zu größeren Konsequenzen als irgendwelche Glaubensfragen“.

    Es hängt immer an den Ressourcen, egal ob online oder Print oder sonst was. wenn ich nur zehn minuten zeit habe, kann ich keinen rostbraten zaubern, außer ich nehm ein fertigprodukt, das dann entsprechend wie von der stange schmeckt. und zwar in mindestens 1.000 haushalten genauso.
    für genagelte schuhe gibt man auch gerne gutes geld aus, im guten glauben, sie halten länger. qualität eben.
    einfach mal in online richtig investieren, es lohnt sich.

    Antwort

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