Posts filed under 'Medien'

„Google News erhöht Wert der Seiten“

Die Süddeutsche Zeitung stellte in ihrem Magazin die Frage „Wozu Zeitung?“.  Auf derstandard.at gabs dazu einen SZ-Gastbeitrag, ein Interview mit Medienprofessor Jeff Jarvis:

„Wozu Zeitung?“ fragt das SZ-Magazin und bringt von „A wie Auflage“ bis „Z wie Zwanzigjährige“ Beiträge über den Umbruch der Branche. Für den Beitrag „G wie Google“ hat das Magazin der Süddeutschen Zeitung Medienprofessor Jeff Jarvis (buzzmachine.com) befragt. „Jedes Zeitungshaus sollte sich einen Termin setzen, zu dem es seine Druckerpressen abstellt“, sagt der Autor des Buches „Was würde Google tun?“ im Interview mit Rainer Stadler. „Google News lenkt Leser zu den Seiten der Nachrichtenanbieter. Damit erhöht Google, wie auch jeder Blogger, den Wert dieser Seiten“, so Jarvis. Es sei an den Verlagen, „aus dem Publikumsverkehr endlich Kapital zu schlagen.“

***

SZ-Magazin: Was bedeutet Google für den Journalismus?

Jeff Jarvis: Nicht nur Google, das ganze Internet verändert den Journalismus. Druckerpressen zu besitzen ist heute ein Nachteil, weil es viel Geld kostet, Zeitungen zu drucken. In der neuen, digitalen Welt lassen sich Nachrichten billiger verbreiten und auch permanent korrigieren und aktualisieren. Sie können auf verschiedene Art präsentiert werden – als Video, Text oder als Audiodatei. Die Zukunft liegt zweifellos jenseits der Druckerpresse.

SZ-Magazin: Aber in der Gegenwart machen die deutschen Verlage den meisten Umsatz immer noch mit ihren Zeitungen und nicht mit ihren Onlineportalen.

Jarvis: Der deutsche Markt ist wohl nicht so einfach mit dem amerikanischen zu vergleichen. Dennoch sollten die Blätter, die in den USA gerade reihenweise sterben, Warnung genug sein für die deutschen Verleger. Ich gehe sogar so weit zu sagen: Jedes Zeitungshaus sollte sich einen Termin setzen, zu dem es seine Druckerpressen abstellt. Nicht weil ich gegen Printprodukte wäre, sondern weil es die Verantwortlichen zum Nachdenken zwingt: Worin besteht der eigentliche Mehrwert der Arbeit von Journalisten? Wie lässt sich dieser Mehrwert auf das Internet übertragen? Welche Leute brauche ich für diese Arbeit? Wie finde ich Anzeigenkunden, die den nötigen Umsatz generieren? Alles Fragen, die sehr schwer zu beantworten sind. Deshalb sollten die deutschen Zeitungen nicht so lange warten, bis sie sich in einer ähnlich verzweifelten Lage wiederfinden wie etwa das Traditionsblatt Boston Globe. Dann ist es nämlich zu spät.

SZ-Magazin: Sollten Medienhäuser nicht umgekehrt alles versuchen, um ihre Blätter am Leben zu erhalten, schon allein wegen ihrer Bedeutung für die Demokratie?

Jarvis: Nicht die Zeitungen sind wichtig für die Demokratie, der Journalismus ist es. Leider wollen das einige Leute nicht zur Kenntnis nehmen und nur ihre Besitzstände verteidigen. Das sieht man auch an den Versuchen, die Leser im Internet zur Kasse zu bitten. Altes Denken: einen Artikel zu veröffentlichen und dann Geld zu verlangen, wie schon bei der gedruckten Zeitung. Diese Rechnung wird aber im Internet nicht aufgehen.

(mehr…)

Add comment 12. Mai 2009

US-Verleger planen Online-Angebot gegen Bezahlung

Neuer Anlauf zur Vermarktung von Online-Journalismus, berichtet die dpa:

US-Verleger starten einen neuen Anlauf zur Vermarktung von Online-Journalismus. Bereits vom Herbst an wollen drei Verleger in dem neuen Internet-Portal „Journalism Online“ Artikel und andere Qualitätsprodukte anbieten. Das Portal solle nicht primär über Werbung, sondern über Bezahlung durch Nutzer finanziert werden. Man sei überzeugt, dass die Zeit reif sei für ein „neues Geschäftsmodell“, das eine „effiziente Vermarktung“ von Online- Qualitätsjournalismus erlaube, sagte der Mitgründer der Initiative, Steven Brill.

Neben Brill, Mitbegründer des Spartensenders „Court TV“ und des Fachblatts „American Lawyer“, ist der ehemalige „Wall Street Journal“-Herausgeber Gordon Crovitz bei der Initiative dabei. Hintergrund des neuen Anlaufs sei die Einschätzung, dass durch Werbung allein kein Qualitätscontent in Online-Medien erreichten werden könne, heißt es zur Begründung. Stattdessen setze man auf „paid content“.

Als Kunden seien Verlage weltweit ins Auge gefasst. Vom Herbst an sollen die Online-Inhalte mehrerer Medien bereitgestellt werden. Es seien verschiede Bezahlmodelle geplant, unter anderem eine Bezahlung pro Zeile, aber auch per Jahresabonnement in Höhe von 55 Dollar (42 Euro), heißt es in US-Medien.

„Es ist keine Frage, dass der Journalismus ein neues Geschäftsmodell braucht“, kommentierte der TV-Sender CNBC auf seiner Internet-Seite. Bislang habe allerdings noch niemand eine brauchbare Lösung präsentiert. Allerdings stelle sich die Frage, „ob die Leute bereit sind, für etwas Geld auszugeben, das sie bisher für selbstverständlich gehalten haben“.

2 comments 16. April 2009

US-Portal als Sponsor für Qualitätsjournalismus

Ist der Qualitätsjournalismus nun schon eine aussterbende Spezies, die man schützen muss?

Arianna Huffington stellt den investigativen Journalismus jedenfalls unter Schutz: Huffington selbst kritisierte in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung», dass viele Journalisten es sich zu bequem gemacht hätten: «Wir brauchen aber Redaktionen, die voll sind von aufmerksamen Wachhunden und nicht mit fetten und zufriedenen Schoßhündchen.»

Arianna Huffington, Gründerin der erfolgreichen Netz-Gazette «Huffington Post» legt mit verschiedenen Partnern einen Fonds für investigatives Berichterstatten auf – und will der Medienwelt so gute Texte sponsern.

Die US-amerikanische Online-Zeitung «Huffington Post» investiert in den investigativen Journalismus und unterstützt damit eine der wichtigsten Leistungen der klassischen Printmedien. Das News-Portal legte dafür zusammen mit der Organisation Atlantic Philanthropies und anderen Spendern einen Fonds mit einem Startvolumen 1,32 Millionen Euro auf.

Damit könnten zehn Journalisten finanziert werden, die Beitrage gemeinsam mit freien Mitarbeitern für die «Huffington Post» erstellen sollten, sagte Chefredakteurin Arianna Huffington. Die so entstehenden Artikel können nach ihren Angaben von jeder Publikation oder jeder Website übernommen werden. Am Anfang sollen vor allem Beiträge über die Wirtschaftskrise recherchiert und geschrieben werden.

>>Der ganze Bericht auf netzeitung.de

Und Huffington sagt noch mehr:

„Blogger sind wie Pitbulls“: Die Revolution der neuen Medien führt zur Renaissance des geschriebenen Wortes, behauptet Arianna Huffington

>>Das Interview auf sueddeutsche.de

3 comments 30. März 2009

Die schwedischen Klickhuren

Eine ganz neue Lohnpolitik bei einem Online-Portal in Schweden: Bei der schwedischen Internetzeitung „Nyheter24″ entscheidet die Zahl der Leser darüber, wie viel der Autor an einem Artikel verdient.

Ganzer Artikel auf taz.de

„Unser Lohnsystem soll widerspiegeln, wie tüchtig jemand ist. Wie viele tatsächlich an dem interessiert sind, was der Mitarbeiter produziert.“ So verteidigt Patrik Sandberg, verantwortlicher Herausgeber der Internetzeitung Nyheter24, gegenüber der Zeitung des schwedischen Journalistenverbands, sein neues Entlohnungssystem. Das gründet einfach auf der Zahl der User, die auf die Texte der einzelnen JournalistInnen klicken.

Letztendlich entscheiden also die Leser, wie viel ein Mitarbeiter bei Nyheter24 verdient. Neben einem Grundlohn, der – was man offiziell nicht bestätigen will – bei umgerechnet etwa 1.500 Euro liegen soll, ist dieser „erfolgsabhängige“ Lohnanteil für die MitarbeiterInnen als Anreiz gedacht, darüber zu berichten, „was die Leute interessiert“, so Sandberg: „Das ist ein einfaches Lohnsystem und wir sind ein kommerzielles Produkt.“

In Österreich läuft die Entwicklung hoffentlich in die andere Richtung: Hier will die GPA-djp die Online-Journalisten sobald wie möglich in den Journalistenkollektiv holen. Und bei den ersten Sitzungen zu den Kollektivvertrags-Verhandlungen sind erstmals drei Online-Journalisten im beratenden Gremium der GPA.

Solche Bezahlmodelle höhlen nicht nur die Kollektivvertragsrechte der Online-Journalisten aus, sondern führen auch dazu, dass nur mehr die Reichweite zählt und die journalistische Qualität absolut flöten geht.

Das muss man wohl im Auge behalten.

2 comments 19. März 2009

Wie Google News-Redaktionen ausbeutet

Moneten statt Beta: Google will mit seiner jahrelang als Beta-Test präsentierten Nachrichtenseite jetzt richtig Geld verdienen. Mit vielen Nachrichtenagenturen hat der Suchmaschinen-Gigant Verträge abgeschlossen, die Verlage gehen leer aus – obwohl Google News ohne die Arbeit von Zeitungs- und Online-Redaktionen unmöglich wäre.

>>Der ganze Artikel auf SPIEGEL ONLINE


Wer sortiert Google News? Die Redaktionen der anderen

Jede einzelne Agentur für sich hätte bislang kaum mit den etablierten Medienhäusern konkurrieren können, was die Vielfalt der Information angeht – was die Tiefe angeht, ohnehin nicht. Mit Google News als all-umarmender Übermutter aber lässt sich aus dem Rohstoff Agenturmeldung eine ganz passable Häppchensammlung zusammenzimmern. Mehr nicht – Analysen, Kommentare, Hintergründe, die Herstellung von Zusammenhängen werden auch weiterhin andere Redaktionen leisten. Doch der Wert der Ware Nachricht, so sie nicht exklusiv ist, sinkt derzeit rapide. Nachrichten werden zur „Commodity“ – zu einem Verbrauchsgut wie Wasser oder Strom, nicht zuletzt dank der Häppchensammlung Google News.

Die wird dann aber doch, und das ist aus der Sicht von Nachrichtenredaktionen das perfide, mit Hilfe der Redaktionen zusammengestellt und sortiert: Denn die Gewichtung und Reihung der bei Google News angezeigten Nachrichten wird durch einen Algorithmus erledigt, der auf der Auswertung großer Nachrichtenseiten basiert. Was bei vielen ganz oben steht, was bei den Wichtigen oben steht, muss wohl wichtig sein, und landet deshalb auch bei Google News am Seitenanfang. Was, das nur nebenbei, auch dazu führt, dass das wirklich Exklusive, das wirklich Originelle bei Google News kaum eine Chance hat.

Die Agenturen, die das Rohmaterial für die maschinengenerierte Nachrichtenseite liefern, werden nun also entlohnt, über Verträge mit den Suchmaschinisten. Die Redaktionen aber, die aus dem Rohmaterial Nachrichtenangebote machen, die sichten, sortieren, gewichten und einordnen, liefern ihre Arbeitsleistung unfreiwillig und kostenlos ab – redaktionelles Crowdsourcing könnte man das nennen. Sie instruieren den Algorithmus, der ihnen Leser und Anzeigenerlöse stehlen soll, und können sich nicht dagegen wehren.

Doch ohne sie wäre Google News für den Endverbraucher ebenso nutzlos wie das tägliche Chaos eines Agenturtickers.

In welche Richtung wird sich das sogenannte redaktionelle Crowdsourcing entwickeln? Im Endeffekt sind durch die Einbindung von Agenturen in Google News auch Arbeitsplätze in Online-Redaktionen gefährdet, wenn Google News nun Geld verdienen will. Und damit kleine Online-Redaktionen bedrohen könnte. Oder führt das in die andere Richtung? Mehr Eigenproduktionen statt Agenturmaterial…

2 comments 18. März 2009

Dramatisches Gezwitscher

Der Kurznachrichtendienst Twitter wird immer öfters als Newsfeed „missbraucht“. Oder positiver formuliert: Die deutschen Onlinemedien nehmen Twitter zunehmend ernst. Zum Amoklauf in der Nähe von Stuttgart berichteten die großen Online-Portale fast im Minutentakt.

Ein neues Betätigungsfeld für den Online-Journalismus? Oder nur ein neues technisches Feature, das die Intention dieser Plattform untergräbt…

Add comment 11. März 2009

Der „crossmediale“ Newsdesk

Glaubt man WAZ-Geschäftsführer Ulrich Reitz, dann steht ein ganzer Berufsstand vor einer Revolution. Wenn im Sommer das neue Portal des Verlags startet, dann werden in einem „crossmedialen“ Newsdesk gemeinsam Online- und Printjournalisten sitzen. Ein Vorbild für andere Redaktionen?

Der WAZ-Geschäftsführer prognostiziert schon eine neues Berufsbild, das des Channel-Managers, der entscheidet, welche Inhalte in welchem Medium wo, wann und in welcher Form ausgespielt werden. Dabei setzt Reitz vor allem auf die Print-Journalisten vor Ort. „Unser Job wird es sein, sie für die Online-Welt zu begeistern“. Reine Online-Journalisten dagegen seien nicht zu bezahlen. „Online-Journalisten haben kein Return of Investment“, sagt er ganz Geschäftsmann.

Zum gesamten Beitrag auf hr-online

*****

Vom medienübergreifenden Produzieren und Crossmedialität hört man ja immer wieder. Die oben genannten Zeilen stammen von den Frankfurter Online Journalismus Tagen 2007. Stellt sich die Frage, ob sich die Medien wirklich in diese Richung entwickeln oder schon entwickelt haben.

Add comment 25. Februar 2008

Goodbye Print: US-Tageszeitung zieht ins Internet um

In den USA wird sich erstmals eine Zeitung von ihrer täglichen Printausgabe verabschieden und fast vollständig ins Internet umziehen. Die in Madison im Bundesstaat Wisconsin erscheinende Tageszeitung „The Capital Times“ soll ab dem 25. April nur noch zwei Mal pro Woche gedruckt und kostenlos verteilt werden. Bisher hatte die Tageszeitung eine Druckauflage von 17.000 Exemplaren.

Mehr dazu

***

Interessant ist dieser Fall, weil das Internet für die Zeitungen immer wichtiger wird. In Österreich wurde dieser radikale Schritt bei „Täglich Alles“ gesetzt, das aber nach kurzer Zeit „nur“ im Web dann ganz von der Bildfläche verschwand.

Zu diskutieren wird ferner sein, was das für die Entwicklung der Online-Journalisten bedeutet.

Zur Homepage der Capital Times

1 comment 12. Februar 2008

Brauchen JournalistInnen eine Online-Identität?

Nun ja, besser als gar keine, könnte man sagen. Mallary Tenore fasst eine entsprechende Debatte jedenfalls schön zusammen. JournalistInnen, die lange Zeit ihren Beruf als „dunkle Geheimkunst“ ausgeübt haben, bekommen mittlerweile dank Web zuordenbare und angreifbare Eigenschaften.  Links, Kommentare, Blogeinträge etc.

Ego-Googlen wird dementsprechend beliebter, es soll KollegInnen geben, die sich per GoogleAlert über ihre Nennung im Web informieren lassen. Manche sind mittlerweile sogar schon in der Lage, bewegte Bilder von sich ins Netz zu stellen (bzw. stellen zu lassen – z.B. hier oder hier). Ist das denn wirklich nötig? Macht das den Journalisten wirklich schon transparenter, wofür sich ja argumentieren ließe, oder handelt es sich dabei nicht vielmehr um ein profundes Missverständnis von Online-Journalismus: endlich die eigene TV-Show für den Printjournalisten?

Add comment 28. Januar 2008

„Nur wenige werden überleben…“

Im Interview mit onlinejournalismus.de erklärt Neo-Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, warum guter Journalismus im Netz Zukunft hat und wer den harten Konkurrenzkampf in Deutschland überleben könnte. Das Interview stammt bereits aus 2003, vieles ist aber wohl nach wie vor gültig.

Das Interview zum Nachlesen

Add comment 22. Januar 2008

Previous Posts


Unsere Besucher

Mehr über:

Schlagworte

Agentur Anerkennung Anstellung Ausbildung Betriebsrat Blogger Channel-Manager Crossmedia Entlohnung Flashmob Forderungen Gewerkschaft Google gpa handeln Image International Investigativer Journalismus job-angebot jobs Journalist Kollektiv-Vertrag Kollektivvertrag Lokaljournalismus lösung Medien Online-Journalisten Online-Mitarbeiter Online-Plattform Online-Umfrage Protokoll Qualitätsjournalismus Redakteur Schweden Selbstbewusstsein Selbstbewusstsein Selbstverständnis Selbstverständnis Twitter USA Vermarktung Vernetzung Video Weiterbildung Wollmilchsau

Neueste Kommentare

Der Präsident beim M… zu >>>FORDERUNGEN
Meral / Digitalks zu Digitalks Spezial: Medienkompe…
Mediengruppe Online … zu Online-Journalisten bleiben Th…
Mediengruppe Online … zu Online-RedakteurInnen vertragl…
Mediengruppe Online … zu Das war das fünfte Medien…

Links

Archive

Feeds

 

Dezember 2009
M D M D F S S
« Nov    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031