Die schwedischen Klickhuren
19. März 2009
Eine ganz neue Lohnpolitik bei einem Online-Portal in Schweden: Bei der schwedischen Internetzeitung „Nyheter24″ entscheidet die Zahl der Leser darüber, wie viel der Autor an einem Artikel verdient.
Ganzer Artikel auf taz.de
„Unser Lohnsystem soll widerspiegeln, wie tüchtig jemand ist. Wie viele tatsächlich an dem interessiert sind, was der Mitarbeiter produziert.“ So verteidigt Patrik Sandberg, verantwortlicher Herausgeber der Internetzeitung Nyheter24, gegenüber der Zeitung des schwedischen Journalistenverbands, sein neues Entlohnungssystem. Das gründet einfach auf der Zahl der User, die auf die Texte der einzelnen JournalistInnen klicken.
Letztendlich entscheiden also die Leser, wie viel ein Mitarbeiter bei Nyheter24 verdient. Neben einem Grundlohn, der – was man offiziell nicht bestätigen will – bei umgerechnet etwa 1.500 Euro liegen soll, ist dieser „erfolgsabhängige“ Lohnanteil für die MitarbeiterInnen als Anreiz gedacht, darüber zu berichten, „was die Leute interessiert“, so Sandberg: „Das ist ein einfaches Lohnsystem und wir sind ein kommerzielles Produkt.“
In Österreich läuft die Entwicklung hoffentlich in die andere Richtung: Hier will die GPA-djp die Online-Journalisten sobald wie möglich in den Journalistenkollektiv holen. Und bei den ersten Sitzungen zu den Kollektivvertrags-Verhandlungen sind erstmals drei Online-Journalisten im beratenden Gremium der GPA.
Solche Bezahlmodelle höhlen nicht nur die Kollektivvertragsrechte der Online-Journalisten aus, sondern führen auch dazu, dass nur mehr die Reichweite zählt und die journalistische Qualität absolut flöten geht.
Das muss man wohl im Auge behalten.
Entry Filed under: Medien, News. Schlagworte: Anstellung, Entlohnung, Gewerkschaft, International, Kollektiv-Vertrag, Medien, Redakteur, Schweden, Selbstbewusstsein, Selbstverständnis.
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1. Wildwest-Mentalität im Online-Journalismus « Santa Precaria | 27. Mai 2009 at 8:11
[...] Interessant ist auch der Blog der Mediengruppe Online, in dem unter anderem zu erfahren ist, dass bei einem schwedischen Online-Portal Journalist_innen nach Klicks bezahlt werden. Na, [...]
2.
alexandra bader | 26. Juli 2009 at 6:40
ich finde das arg, und ich finde es super, dass es diesen blog gibt, habe in diesem artikel zu den online-arbeitsbedingungen zu diesem blogeintrag verlinkt:
http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=&area=1&p=articles&id=1315
meine grundsätzlichen betrachtungen nach 11 jahren onlinejournalismus sind hier:
http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=1288
ich finde online mindestens so anspruchsvoll wie print, da man ja texte schreibt und die durch zusätzliche features anreichert, es kommt auf die art der darstellung an, man kann auch mit der auswahl von links das gesagte vertiefen, zum nachdenken anregen, man kann mit bildern und videos den text ergänzen usw.
ich freue mich übrigens sehr über artikelaufträge, aufträge für recherchen etc., schwebe derzeit frei (lebe von ersparnissen, weiss bald nimmer, was ich machen soll…..)….habe also jederzeit freie kapazitäten, meine themenbandbreite zeigt sich auf meiner webseite.